Fragen, die bleiben….

Heute habe ich mir nochmal den Wortlaut der Rede von Bundeskanzlerin Merkel zu den Hinterbliebenen der Oper des NSU durchgelesen. Diese war am 23.02.2012.

Gestern gab die gleiche Bundeskanzlerin Merkel wieder eine Rede, Ausgangspunkt gestern am Evangelischen Kirchentag, über den ermordeten Regierungspräsidenten Walter Lübcke dieser ja mutmaßlich von einem Rechtsextremem erschossen wurde.

In der Rede zu den NSU Hinterbliebenen, war mit einer der Sätze „Manchmal rütteln uns Berichte über skrupellose rechtsextremistische Gewalttäter auf. Für einige Tage bestimmen sie die Schlagzeilen der Nachrichten. Manchmal bleibt auch der Name einer Stadt als Tatort im Gedächtnis. Doch oft genug nehmen wir solche Vorfälle eher nur als Randnotiz wahr. Wir vergessen zu schnell – viel zu schnell. Wir verdrängen, was mitten unter uns geschieht; vielleicht, weil wir zu beschäftigt sind mit anderem; vielleicht auch, weil wir uns ohnmächtig fühlen gegenüber dem, was um uns geschieht.“

Scheinbar hat sich immer noch nichts daran geändert, denn es wurde immer noch beschwichtigt und nicht ein Zeichen gesetzt in der Politik der Mitte. Nur einige Politiker hatten schon damals erkannt was sich zusammenbrauen könnte.

Als Bundeskanzlerin der Bundesrepublik Deutschland verspreche ich Ihnen: Wir tun alles, um die Morde aufzuklären und die Helfershelfer und Hintermänner aufzudecken und alle Täter ihrer gerechten Strafe zuzuführen. Daran arbeiten alle zuständigen Behörden in Bund und Ländern mit Hochdruck. Das ist wichtig genug, es würde aber noch nicht reichen. Denn es geht auch darum, alles in den Möglichkeiten unseres Rechtsstaates Stehende zu tun, damit sich so etwas nie wiederholen kann.

Muss sich jetzt nicht eine Bundeskanzlerin messen lassen mit so einem Kernsatz? Ich meine für die Hinterbliebenen der Opfer schon. Dieser Satz mit dem Helfershelfer und Hintermänner hat Sprengsatzformat, denn man kann davon ausgehen (mutmaßlich), dass diese auch mitgeholfen (diese Strukturen) haben den Regierungspräsidenten zu ermorden. Nur seit 2012 wurde die Szene nicht kleiner, sondern stärker und ist mehr und mehr gewachsen. Damals ging man quasi von drei Leuten aus, eine in sich abgeschottet Zelle. Heute weis man welche Hintermänner.- Frauen agierten. Dazu kommt eine klare Botschaft für die Szene, das bis auf Carsten S. und Beate Zschäpe alle Angeklagten in Prozess waren auf freien Fuß sind. Es gibt wohl weitere neun Beschuldigte in diesen Verfahren, doch es wäre ein Wunder, wenn gegen diese Anklage erhoben werden würde. Auch da kam der Rechtsstaat an seine Grenzen, und das dies nie wieder passieren würde gilt jetzt als Armutszeugnis.

„Wir müssen uns eingestehen, dass wir dabei zum Teil scheitern.“ Da muss man jetzt den neuen Verfassungsschutzpräsidenten Respekt zollen, der sagt „Wir sind nicht in der Lage zu sagen, wir beherrschen den Rechtsextremismus“. Wenn die Bundeskanzlerin vor der Presse erklärt, man habe von den Untersuchungsausschüssen Punkte bekommen, die man abzuarbeiten hatte. Da ist die Frage wie wirksam waren diese Punkte? Ein Punkt war ja die Aufstockung des Verfassungsschutzes. Hat es was gebracht? Jeder kann sich diese Frage selbst beantworten. Nun werden viele sagen man hatte ja die rechten nicht mehr im Blick, man sah mehr den Islamismus als Bedrohung an. Doch da hatte man auch nicht wirklich den Durchblick, wie man an dem Attentat am Breitscheidplatz sah.

Wenn auch die Bundeskanzlerin damals mahnte „Der Staat ist hier mit seiner ganzen Kraft gefordert. Doch mit staatlichen Mitteln allein lassen sich Hass und Gewalt kaum besiegen. Die Sicherheitsbehörden benötigen Partner: Bürgerinnen und Bürger, die nicht wegsehen, sondern hinsehen – eine starke Zivilgesellschaft.“ Doch wie man sieht ist es noch ein weiter Weg eine starke Zivilgesellschaft zu sein.  Denn wenn schon von Ordnungshüter Hass und Drohmails.- Faxe an eine Opfer Rechtsanwältin verschicken, mit der Unterschrift NSU 2.0. Dann läuft was gravierendes falsch in diesem Rechtsstaat. Welche Auswirkungen bei solchen „Fehltritten“ wurden bekannt? Keine der Beamten wurde vom im Staatsdienst verabschiedet. Ein Beispiel ist immer noch das der Zugführer, der ermordeten Polizeibeamtin Kiesewetter. Dieser war beim KKK, und dachte dies wäre eine Trachtengruppe. Konsequenzen gab es fast keine. Solange sowas nicht schärfer geahndete, sehe ich da schwarz.

Wenn man jetzt aber die Rede auf dem Evangelischen Kirchentag liest bzw. hört, ist dies der dritte Schlag vielleicht auch der vierte Schlag ins Gesicht der Hinterbliebenen. Dort kam der Satz der Bundeskanzlerin Merkel, wegen dem Mord an den Regierungspräsidenten Walter Lübcke „Da ist der Staat auf allen Ebenen gefordert, man nehme das sehr sehr ernst.“ Man möge jetzt gleich fragen, war es beim NSU Komplex nicht ernst genug, oder woran ist es gescheitert? Nur weil es Ausländer zum Teil waren, oder weil es ein Politiker war.  Schon traurig solche Tatsachen in Betracht zu ziehen. Gerade diese Debatten sind nicht förderlich, um eine starke Zivilgesellschaft hinzubekommen. „Sonst haben wir einen vollkommenen Verlust der Glaubwürdigkeit“.

Hat man diesen nicht schon längst, gerade bei den Hinterbliebenen der Opfer des NSU????

https://www.sueddeutsche.de/politik/ein-bild-und-seine-geschichte-als-merkel-mit-rostocker-rechtsradikalen-sprach-1.3614739

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Der Lange, in Sachsen

 

Heute könnten die Nebenkläger ihre Plädoyers halten. Zentrales Thema in Plädoyer von Rechtsanwältin Lunnebach ist der V-Mann (Johann H.) der nie entdeckt werden sollte. Eine BKA-Beamtin kam ihm auf die Spur (Phantombild), doch diese wurde von ihrem Vorgesetzten ermahnt sich auf das Trio zu konzertieren. So wurde ein V-Mann Spur totgemacht.
Genau wie diesen Fall gab es in Sachsen viele V-Männer, die noch nicht enttarnt wurden.

Einer dieser mutmaßlichen V-Mann Personen ist Jan Werner.

Seit den 90 iger Jahren war er einer der führenden Persönlichkeiten ,Verfassungsschutz berichtet das er Sektionsleiter von B&H in Sachsen.
Zusammen mit Thomas Müller (ex Starke) baute er die rechte Musikszene in Sachsen auf. Alles, was damals rechte Musik hörte, fuhr nach Sachsen. Dies hörte man immer wieder von Zeugenaussagen im NSU-Prozess bzw. auch in den Untersuchungsausschüssen.

Doch wer war dieser Jan Werner?

Ein nicht unwichtiges Detail ist, das er vom 1.4. 1996 bis zum 30.1.1997 in Erfurt beim 6. Transportbataillon 133 seine Grundausbildung bei der Bundeswehr machte.
Es ist schwer vorzustellen das er in dieser Zeit keinen Kontakt zu gleich gesinnten in der Umgebung suchte. Was wäre da nicht näher gewesen, unter anderem nach Jena oder Rudolstadt zu gehen.Oder war er auch zu den Mittwochsstammtischen zugegen, wo auch Mundlos öfters zu diesen Treffen war.

Seine Notizbücher von dieser Zeit wurden 2001 bei einer Hausdurchsuchung beschlagnahmt. Sie wurden archiviert wegen dem Landser Verfahren. Dort war Werner als Produzent für die letzte Landser CD verantwortlich. Doch ausgerechnet zwei Bundesanwälte haben diese Aufzeichnungen 2014 vernichtet. Warum oder wieso dies gemacht wurde, da die Bundesanwälte keinen Bezug zum NSU erkennen konnten.
Doch es ist erstaunlich dass der Generalbundesanwalt selber Jan Werner mit 9 weiteren Personen ein Ermittlungsverfahren in der Sache NSU am laufen hat. Sein erster Kontakt zum Umfeld des NSU bestand darin, nach einer Waffe zu fragen. Selbst die Bundesanwaltschaft geht davon aus, das es einige Bankraube begangen wurden, und deshalb hätte sich dort Jan Werner gemäß des schweren Raubes schuldig gemacht.. Aber diese Sachen sind gemäß der Verjährungsfrist schon nicht mehr strafbar. Genauso wenn Werner unterstützende Handlungen den dreien zukommen lies. Doch hatte Werner persönlichen Kontakt zu Mundlos und Zschäpe mutmaßlich hatte sogar. Er wurde in Berlin vom sächsischen Verfassungsschutz am 6.6.2000 mit einer Frau und zwei Kindern beobachtet wurde.

Das LFV ging damals aus, dass sich um die männliche Person Jan Werner handelt. Mundlos und Zschäpe hielten sich an diesen Tag in Berlin auf, um eine Synagoge mutmaßlich auszuspähen.

Auch interessant ist, dass eine Kopie seiner Aussage im Landser Verfahren 2003 im Brandschutt in der Frühlingstrasse gefunden wurde.
In der Einlassung bei der Bundesanwaltschaft wurde Werner nur oberflächlich zu Sachen befragt.
Die Frage ist warum? Keine Fragen, ob das angebliche Trio kennt, oder sonst etwas auf den Bezug zum NSU.
Er wusste eines Tages die Polizei noch mal auf ihn zu kommen würde, sagte in seiner Aussage beim

LKA Stuttgart. Dazu meinte er was ihn entlasten würde, wäre ja ab 1998 bis 2002 die Polizei wisse, was bei ihm gelaufen ist..

Ein Wink mit dem Zaunpfahl???

Keupstraße: Fehler der Attentäter retteten Menschenleben. Was lief schief?

Auch wenn die Auswirkungen des Nagelbombenanschlags verheerend waren. Es war sicher nicht das gewünschte Ergebnis, dass sich die Attentäter erhofft hatten. Zugegeben: Angesichts der grausamen Opferbilanz mag dieser Satz zynisch anmuten.
Trotzdem muss dieser Umstand geklärt werden, er ist wie viele andere Indizien ein wichtiges Puzzleteil, das vielleicht die Hintergründe des Anschlags vom 9. Juni 2004 aufklären könnte.

Ein weiterer Aspekt:
Der Anschlag hätte ein weit schlimmeres, schier unglaubliches Massaker auslösen können. Indizien dazu gibt es genügend, nachgeprüft wurden sie bis heute nicht.

Zweck der Bombe: Wahlloses Töten unbeteiligter Menschen.

Die Konstruktion der Sprengvorrichtung konnte nur einem Zweck dienen: Das Töten von Menschen. Dabei war es den Bombenlegern völlig gleichgültig, ob das Leben von Babys, Kindern, Frauen, Männern, Alten, Jungen, Einheimischen oder Migranten, egal welcher Herkunft geopfert wird. Nach dem Platzieren der Bombe hatten die Täter keine Möglichkeit mehr, die Auswirkungen der Explosion entscheidend zu beeinflussen. Nur der Zufall entschied über Leben und Tod.

War die Wirkung der Detonation geringer als geplant?

Die Ermittler fanden Bauteile, Splitter und Nägel des Sprengsatzes in einem Umkreis von bis zu 250 Metern um den Detonationsort herum. Mindestens 22 Menschen, die sich zufällig im Umkreis der Bombe aufhielten, wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Viele leiden noch heute an den Spätfolgen. Dass durch die enorme Sprengwirkung niemand ums Leben kam, ist ein wahres Wunder. Eine andere Erklärung gibt es nicht.

Die Bombe war für den tatsächlich angerichteten Schaden überdimensioniert.

Trotz der erheblichen Auswirkungen der Explosion musste in den letzten Minuten und Sekunden vor der Zündung der Bombe von irgendjemandem aus dem Kreis der Attentäter ein Fehler gemacht worden sein. Die Auswahl des Detonationsortes scheint einer dieser Fehler zu ein.  Eine Erklärung dafür existiert bis heute nicht. Dabei könnten viele Indizien einen oder mehrere Fehler der Attentäter belegen und erklären.

Es erscheint auf den ersten Blick banal: Die Methode der Wahl um der Aufklärung aller dem NSU zugeschriebenen Verbrechen näher zu kommen, ist die Suche nach Fehlern.
Man kann mit Sicherheit davon ausgehen, dass bei all den Morden, Raubüberfällen und Bombenanschlägen, die sich über Jahre hinzogen, massenhaft Fehler gemacht wurden. Die gerne erzählte Geschichte, dass die mutmaßlichen Bombenleger Böhnhardt und Mundlos jahrelang ein perfektes Verbrechen nach dem anderen quasi am Fließband produzierten ist falsch. Diese Version ist grundlegend falsch. Sie muss falsch sein, denn das perfekte Verbrechen gibt es nicht. Denkt man – wie hier beim Nagelbombenanschlag – einmal oder zweimal um die Ecke, dann fallen sofort Ungereimtheiten auf. Es muss nicht immer der Verfassungsschutz bei diesen Merkwürdigkeiten seine Finger im Spiel gehabt haben, es kann sich auch um einen banalen Fehler, eine kleine Unaufmerksamkeit bei der Planung oder Durchführung eines Verbrechen handeln. Fehler, die so unbedeutend erscheinen, dass sie nicht mal von den Tätern selbst bemerkt wurden.

Diese Fehler warten nur darauf, endlich gefunden zu werden.
Beim Anschlag in der Keupstraße geschah während der simplen Platzierung der Bombe vermutlich ein kleiner Fehler, der gravierende Auswirkungen hatte. Das frustrierende im konkreten Fall Keupstraße ist jedoch:  Den Ermittlungsbehörden ist es offenbar noch nicht einmal aufgefallen, dass die enorme theoretische Sprengkraft der Nagelbombe bei Weitem nicht mit den verursachten Schäden in Einklang zu bringen ist.


Die allgemein bekannten Fakten:

Die Bombenkonstruktion:
Eine handelsübliche 5-Liter-Butangasflasche aus Stahl mit einer Wanddicke von 2 Millimetern, 26 Zentimeter hoch, Durchmesser 20,5 Zentimeter, Leergewicht ca. 1,7 Kilogramm.

Der Transport der Bombe:
In einem Hartschalenkoffer, einem sogenannten TopCase, Modell K 9400 der Firma KAPPA, Gewicht etwa 4 Kilogramm. Alles wurde auf einem Fahrrad aus einem Sonderangebot von Aldi befestigt.

Füllung der Gasflasche:
5,5 Kilogramm Schwarzpulver, eingebettet in etwa 800 Nägel, jeder davon 10 Zentimeter lang, 5 Millimeter dick, und ca. 11 Gramm schwer. Insgesamt 8,8 Kilogramm Nägel vermuten die Ermittler. Diese Nägel werden umgangssprachlich als Zimmermannsnägel bezeichnet. Zusätzlich befanden sich diverse elektronische Bauteile zur Zündung der Sprengvorrichtung und Watte als Sicherung vor einer unabsichtlichen Detonation durch einen Stoß gegen die Bombe.

Gesamtgewicht:
Inklusive der Fahrradhalterung dürfte die Nagelbombe etwa 20 Kilogramm schwer gewesen sein.

Woher hatten die Attentäter die Bauteile?
Abgesehen vom Schwarzpulver sind sämtliche Bauteile der Nagelbombe problemlos in jedem gut sortierten Baumarkt zu beschaffen. Vermutlich wäre an der Kasse niemand misstrauisch geworden. Selbst dann nicht, wenn die Bombenbauer alle Bauteile auf einem einzigen Einkaufswagen transportiert hätten.


Die Platzwahl für die Nagelbombe: Ein Fehler oder wieder ein Zufall?

Die Sprengvorrichtung wurde auf dem schmalen Gehweg vor dem Anwesen Keupstraße 29 – einem Frisörladen – deponiert. Durch die Tatortuntersuchung ließ sich leicht feststellen, dass der Sprengsatz zwischen der Hauswand und einem in direkter Nähe geparkten 3er-BMW explodierte. Dies belegen unter anderem Beschmauchungen, die an der Hauswand bis in eine Höhe von etwa 3 Metern reichen. Das explodierte Schwarzpulver verursachte eine mindestens 2 Meter hohe Stichflamme. Dies konnte auch durch Zeugenaussagen bestätigt werden.

Die Explosion der Bombe:

Vermutlich war eine Glühwendel aus einer Taschen- oder Fahrradlampe das zentrale Element der Zündvorrichtung. Per Funkfernsteuerung setzten die Attentäter die Glühwendel für kurze Zeit unter Strom, was zur Explosion der 5,5 Kilogramm Schwarzpulver führte. In Sekundenbruchteilen entstanden so 1800 Liter Gas, welches mit einer Temperatur von 2000°C den Sprengsatz mit einer Stichflamme und ungeheurer Wucht auseinanderriss. Neben den Splittern schossen die Nägel mit einer Geschwindigkeit von mindestens 770 km/h vom Explosionsort davon. Die Bodenplatte der Gasflasche wurde abgesprengt, schleuderte  mit einer immensen Geschwindigkeit durch die Luft und  schlug 45 Meter vom Explosionsort entfernt auf dem Asphalt auf.

Die Bombe war für eine maximale Wirkung am falschen Platz deponiert.

Gegenüber der Hauswand befand sich in einem Abstand von etwa 1,5 Metern ein geparkter durch die Detonation zerstörter 3er-BMW. Dadurch wurde ein erheblicher Teil der Druckwelle, der Bombensplitter und der Nägel nach oben und in Längsrichtung in beide Richtungen des Gehweges geschleudert. Der Fehler war hier also eine bedeutende Abschirmung der Druckwelle durch falsches Platzieren der Bombe, was mit Sicherheit Menschenleben gerettet hat. Extrem unwahrscheinlich, dass dies so beabsichtigt war.

Gab es einen unvorstellbar grausamen Plan, der Hunderte Todesopfer gefordert hätte?

Es existieren seit geraumer Zeit Aussagen von Opfern, Augenzeugen und Anwohnern der Keupstraße, dass ein mit Gasflaschen beladener Kleintransporter eine Rolle beim Nagelbombenanschlag gespielt haben soll. Der Plan könnte wie folgt gewesen sein:

Offenbar wurden die vielen Geschäfte und Restaurants der Keupstraße täglich mit Gasflaschen beliefert. Eine Zeugin hat ausgesagt, dass ein Kleintransporter diese Gasflaschen auslieferte. Dies ist absolut glaubwürdig, da in den engen Straßen ein großer LKW, der auch größere Gasflaschen ausliefern könnte, enorme Schwierigkeiten hätte, die Geschäfte zu erreichen.

Der Kleintransporter mit der Gasflaschenlieferung.
Die gleiche Zeugin hat auch berichtet, dass sich der Gasflaschenlieferant mit seinem Transporter normalerweise jeden Nachmittag genau zum Zeitpunkt des Nagelbombenanschlags in unmittelbarer Nähe des Detonationsortes befand. Nur an diesem 9. Juni 2004 hätte der Lieferant ausnahmsweise bereits am Vormittag die Keupstraße beliefert. Diese Aussage konnte oder wollte bis jetzt noch niemand bestätigen oder widerlegen.

Ein weiterer Zeuge berichtete, dass er öfters den Fahrer des Gastransporters “geschimpft” hätte, nicht zu viele Gasflaschen auf einmal zu laden, da er Angst vor einer Explosion der Gasladung hatte.

Sollte die Nagelbombe die Gaslieferung detonieren lassen?

Vermutlich hätte die explodierte Nagelbombe dazu dienen sollen, eine noch wesentlich größere Detonation auszulösen. Die Explosion eines mit Gasflaschen voll beladenen Transporters hätte unzählige Todesopfer gefordert, die Anzahl der schwerstverletzten Opfer hätte die Kapazität sämtlicher Krankenhäuser im Großraum Köln gesprengt. Die Keupstraße wäre in einem Umkreis von Hunderten Metern in Schutt und Asche gelegt worden.

Der “Sprinter” auf der anderen Straßenseite.
Ein weiterer Zeuge berichtet von einem schwarzen Mercedes-Kleintransporter („Sprinter“), der auf der anderen Straßenseite exakt gegenüber des Sprengsatzes geparkt war. Die Entfernung zwischen Nagelbombe und Kleintransporter: Etwa 6 Meter. Der Zeuge berichtet weiter, dass die Karosserie auf der Fahrerseite durch unzählige Splitter und Nägel erheblich beschädigt war. Einige Nägel hätten auch das Karosserieblech durchschlagen.

Nagelbombe hatte genug Energie, um eine weitere Katastrophe auszulösen.
Die Aussagen des Sprengstoffspezialisten Dr. Möller vom BKA Wiesbaden beim NSU-Prozess vor dem OLG München am 11. Februar 2015 lassen folgendes Szenario zumindest nicht als unmöglich erscheinen: Hätte der oben bereits erwähnte 3er-BMW nicht die Druckwelle, Splitter und Nägel zur gegenüberliegenden Straßenseite zu einem großen Teil abgeschirmt, dann hätte die Sprengenergie ausreichen können, um Gasflaschen in diesem „Sprinter“ zur Detonation zu bringen.

Existierte der Plan, oder verhinderte ein Fehler die Umsetzung?
Ein perfider Plan, von dem niemand weiß, ob er tatsächlich existierte. Jedoch: Sollte die tägliche Gasflaschenlieferung Bestandteil der Anschlagsplanung gewesen sein, so hat wieder ein Fehler der Attentäter dazu geführt, dass das Ziel so viele Menschen wie möglich zu töten nicht erreicht wurde.

Ein hochbrisantes Interview.

Einige der oben genannten zitierten Aussagen können im Video weiter unten  in Auszügen angehört werden.

Zur Ausstellungseröffnung  im Stuttgarter Rathaus am 16. März 2015 hielten der Oberbürgermeister von Stuttgart Fritz Kuhn, Gabriele Metzner von der Initiative “Keupstraße ist überall” und Janka Kluge von der „Initiative NSU-Aufklärung“ jeweils einen Vortrag.

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Ein ungeheurer Verdacht tut sich auf.
Von besonderer Relevanz sind hier die Ausführungen von Gabriele Metzner, die aus einem Interview mit einer jungen Frau zitiert. Diese Frau erlebte den Anschlag aus unmittelbarer Nähe, sie befand sich zum Zeitpunkt der Detonation direkt neben dem Frisörladen vor dem das Fahrrad mit der Nagelbombe abgestellt war. Sekunden nach der Explosion sah die Frau wie direkt vor ihr etwas auf den Boden fiel. Es war das Fahrrad auf dem die Bombe montiert war. Sie überlebte den Anschlag schwer verletzt und muss seitdem immer noch mit gravierenden Einschränkungen ihrer Lebensqualität umgehen.

Hier das Video mit dem kompletten Vortrag von Frau Gabriele Metzner. Die Ausführungen zum Interview mit der jungen Frau beginnen ab Timecode 12:45.

Die brisanten Passagen finden sich als Transkript hier:

„Eine junge Frau – Interview 10. März 2014: Ich lebe seit 34 Jahren in Deutschland. Ich bin als Kind her gekommen, habe die Schule besucht, eine Ausbildung gemacht und geheiratet. Deutschland und insbesondere Köln war erst meine zweite Heimat. Inzwischen ist es meine erste Heimat geworden, hier fühle ich mich wohl. Wie habe ich den Bombenanschlag erlebt? Es fällt mir jedes mal schwer, davon zu erzählen, denn jedes mal erlebe ich den Tag aufs neue. Es war am späten Nachmittag, das Wetter war schön und sommerlich.
An diesem Tag haben wir Glück im Unglück gehabt. Denn um die Uhrzeit des Anschlags kam eigentlich immer ein Transporter mit Gasflaschen, der vielleicht auch einkalkuliert war, der die Restaurants und Konditoreien belieferte. Genau an die Stelle, wo es passiert ist. An diesem Tag ist der Transporter aber Ausnahmsweise schon am Vormittag gekommen, sonst wäre es schlimm ausgegangen.
Dann hätten wir auch Tote gehabt – nicht nur Verletzte. Deswegen sage ich immer noch: Wir hatten Glück im Unglück. Aber diesen Tag will ich nicht noch einmal erleben.“

Im Anschluss ab Timecode 16:00 Auszüge eines weiteren Interviews mit einem Augenzeugen des Attentats. Dieser Zeuge interpretiert die Detonation im ersten Moment – wie viele andere Zeugen auch – als die Explosion einer Gasflasche.  Er berichtet von einem schwarzen Mercedes Kastenwagen (“Sprinter”) der auf der anderen Straßenseite genau gegenüber des Detonationsortes stand. Die Fahrerseite des Transporters soll durch die herumfliegenden Nägel erheblich beschädigt worden sein, zudem hätten sehr viele Nägel die Karosserie komplett durchschlagen.

Auch hier die brisanten Passagen als Transkript hier (Timecode 16:00):

„Ein anderer Mensch in der Keupstraße. Ich bin 57 Jahre alt und arbeite seit 19 Jahren auf der Keupstraße. Ja, das war natürlich ein sehr schlimmer Tag. Ich saß vor meinem Laden auf einem kleinen Hocker, da an dem Tag schönes Wetter war. Plötzlich gab es einen Knall und im ersten Augenblick hab ich nicht daran gedacht, dass es eine Bombe hätte sein können. Ich habe mich auf den Boden geschmissen, aber dann habe ich gesehen, dass ich drei Nägel in meinen Körper bekommen habe. Ich wusste nicht, was das war. Ich habe gedacht, dass vielleicht eine Gasflasche hochgegangen ist. Ich bin dann aufgestanden und hab geguckt, die Leute liefen blutverschmiert herum, das war schrecklich.
Vor dem Laden stand ein so hoher Kastenbus. Direkt vor dem Friseurgeschäft. Darüber denke ich noch öfter nach. So ein Glück, dass der Bus da gestanden hat. Der Bus war voll von Nägeln. Hunderte Nägel sind in den Bus geflogen. Wenn der Bus nicht da gestanden hätte, wären alle diese Nägel hier auf die Menschen geschossen. Ich glaube, dann hätte es auch Tote gegeben. Aber dieser Bus hat sehr viel abgehalten. Die hatten ja geplant, dass es viele Tote hätte geben sollen. Es waren richtig große und stabile Nägel. Ich habe auch Glück gehabt – natürlich. Ich habe ja gesessen. Wenn ich gestanden hätte, wäre es noch schlimmer gewesen. Über meinem Kopf war so ein Regenablaufrohr. Da ist einer reingegangen: Direkt durch! Und ich habe mich nachher davor gestellt und es war genau in Kopfhöhe. Ich habe wirklich Glück gehabt.“

Mit großem Dank an Jürgen (https://juergenpohl.wordpress.com) für die Recherche-Hilfe!

Terminhinweise für die Woche 25.03.2015 – 26.03.2015 (195. bis 196. Verhandlungstag)

Mittwoch, 25.03.2015

09.30 Uhr       Oswald A.
10.15 Uhr       Gundula F.
10.30 Uhr       Sabine K.
11.00 Uhr       Karin L.
11.15 Uhr       Silke B.
13.00 Uhr       KOK Wötzel, KPI Gotha
13.00 Uhr       KHK Ernst, KPB Paderborn
(alle Zeugen: Banküberfall Arnstadt am 07.09.2011)

Donnerstag, 26.03.2015

09.30 Uhr       Sachverständiger Dr. Oliver Peschel, IRM München
09.30 Uhr       Sachverständiger Dr. Rüdiger Mölle, Bay. LKA
09.30 Uhr       Muharrem S.
09.30 Uhr       Keskin M.
10.15 Uhr       Yavuz Sami S.
(alle Zeugen und Sachverständige: Anschlag Köln-Keupstraße)
13.30 Uhr       Doris M.
14.00 Uhr       Marlies B.
(beide Zeuginnen: Banküberfälle Stralsund am 07.11.2006 und
18.01.2007)
14.30 Uhr       Andreas G.
(Banküberfall Stralsund am 07.11.2006)

NSU-Bombenanschlag 2004: Türkischer Offizier Talat T. war am Tatort Keupstraße

Türkischer Offizier am Anschlagsort. Immer neue Fragen zur Nagelbombe in der Kölner Keupstraße:

NSU und kein Ende. Ende Januar starteten die neuen Untersuchungsausschüsse in Düsseldorf und Stuttgart mit ihrer Arbeit. Und am 12. Januar begann im NSU-Prozess vor dem OLG München die Beweisaufnahme zum Nagelbombenanschlag in der Keupstraße in Köln-Mülheim. Dafür hat der Strafsenat mehrere Wochen veranschlagt. Gleichzeitig werden die Rätsel und Fragen um den Mordkomplex mit dem Namen „Nationalsozialistischer Untergrund“ nicht weniger – im Gegenteil. In der Keupstraße hielt sich zum Zeitpunkt des Anschlages zum Beispiel ein pensionierter türkischer Offizier auf. Doch auch beim Prozess in München selber gibt es dazu Merkwürdigkeiten. – Ergänztes Manuskript einer WDR-Radiosendung vom 22.1.2015 von Thomas Moser:

“Und als sie in Köln auf der Keupstraße waren, ging die Bombe hoch. Sie standen gerade hinter dem Auto. Dadurch haben sie Glück gehabt, daß keine weiteren Verletzungen entstanden sind.“

Rechtsanwalt Adnan Menderes Erdal. Er vertritt im Münchner Prozess den türkischen Staatsbürger Talat T. Talat T., heute 66 Jahre alt, stand mit seinem Bruder Muzaffer T., heute 72, in der Keupstraße in Köln, als dort im Juni 2004 die Bombe hochging. Sie waren nur wenige Meter entfernt, aber durch ein Fahrzeug geschützt. Muzaffer T. wurde verletzt, Talat T. nicht. Was die Geschichte besonders macht: Talat T. ist ein früherer Offizier der türkischen Armee. Zu den vielen Fragen, die es auch um diesen Terroranschlag gibt, ist eine weitere hinzugekommen.

9. Juni 2004: Gegen 16 Uhr ereignet sich die Explosion in der belebten Straße. Es ist der Tag vor Fronleichnam. Aus den WDR-Nachrichten um 18 Uhr:

„Bei einer Explosion in einem Kölner Wohnhaus sind am Nachmittag nach ersten Meldungen 16 Menschen verletzt worden. Einer von ihnen schwebt offenbar in Lebensgefahr. Die Polizei geht von einem Anschlag aus, hat aber noch keinerlei Erkenntnisse über den Hintergrund. Feuerwehr und Rettungskräfte sind im Einsatz.“

Ein türkischer Augenzeuge:

„Habe es genau gehört, habe nach draußen geguckt, Leute sind weggerannt, manche waren unten verletzt. Nach 20 Minuten ist die Feuerwehr und alles gekommen und haben geholfen.“

Der Polizeisprecher:

„Hier in der Keupstraße ist ganz offensichtlich auf dem Gehweg oder in einem Ladeninneren im Schaufenster eine Splitterbombe explodiert. Es liegen hier hunderte, tausende von Nägeln herum, die Personen schwer verletzt haben; die Fassaden von Häusern haben abstürzen lassen und die Scheiben haben zerspringen lassen.“

Die Ermittlungsgruppe der Polizei konnte den Anschlag nicht aufklären. Seit November 2011 wird er dem NSU-Terror-Trio Böhnhardt, Mundlos, Zschäpe zugeschrieben. In deren Wohnung in Zwickau wurde eine DVD gefunden, auf der die Bombe in der Keupstraße breiten Raum einnimmt. Doch Zweifel bleiben. Der NSU-Untersuchungsausschuss des Landtages von Nordrhein-Westfalen hat viele Fragen zum Tatkomplex Keupstraße formuliert. Die nach der Anwesenheit eines türkischen Offiziers fehlt allerdings.

Oberlandesgericht München: Seit Mai 2013 läuft dort der Prozess gegen das überlebende Mitglied der Gruppe, Beate Zschäpe, und vier Mitangeklagte, denen Unterstützung und Beihilfe vorgeworfen wird. Seit Mitte Januar, dem 173. Prozesstag, geht es nun um die Nagelbombe von Köln. Kriminalbeamte beschreiben die komplizierte Machart der Bombe und schildern, wie es nach der Explosion in der Keupstraße aussah. Mehr als 700 Zimmermannsnägel wurden in die Luft gesprengt, steckten in Häusern, Autos und Menschen. Jetzt werden diese Opfer gehört – unter ihnen die Brüder Muzaffer und Talat T. Warum waren sie in der Keupstraße? Opferanwalt Adnan Erdal:

„Muzaffer wollte dem jüngeren Bruder Deutschland zeigen. Sie haben in Berlin angefangen, danach sind sie nach Hamburg, anschließend nach Bremen. Da soll der Bruder meines Mandanten gesagt haben: Komm, ich zeige dir auch Köln. Und als sie in Köln waren, ging die Bombe hoch.“

Alles erklärbar also? Talat T. lebt in der Türkei, sein Bruder Muzaffer in Berlin. Doch er hat Kontakt zu dem Besitzer einer Teestube in der Keupstraße in Köln. Dort saßen die Brüder an jenem Nachmittag. Als sie vor die Tür traten, ging die Bombe hoch. Sie waren nur wenige Meter entfernt. Ihr Auto schützte sie. Muzaffer wurde am Arm verletzt und im Krankenhaus behandelt. Die Polizei fand heraus, daß Talat T. ein türkischer Offizier ist – und reagierte alarmiert.

„Nachdem die Polizei erfahren hat, daß mein Mandant Oberstleutnant der türkischen Armee ist, dann sollte er vier Tage lang Deutschland nicht verlassen. Sie mussten wieder nach Berlin, wo sein älterer Bruder wohnt. In Berlin soll er mit seinem Bruder von vier Polizeibeamten vernommen worden sein.“

Ein Militär am Ort eines Bombenanschlages? Obendrein aus einem Land, das zur Nato gehört. Talat T. durfte zunächst nicht nach Istanbul zurückfliegen. Hielten die Ermittler einen Zusammenhang mit dem Militär für möglich wegen der Art und Schwere des Bombenanschlages?

„Er hatte den Eindruck, daß man ihn verdächtigt. Deshalb sollte er ja vier Tage lang Deutschland nicht verlassen. Und dann soll mein Mandant den Polizeibeamten gesagt haben: Meinen Sie, ich habe die Bombe versteckt und dann anschließend entzündet und mich selbst in Gefahr gebracht?“

Könnte der Anschlag – umgekehrt – einem Vertreter des Militärs gegolten haben? Oder war die Anwesenheit eines Offiziers am Tatort wieder nur Zufall – einer dieser „Tausend Zufälle“ des undurchsichtigen NSU-Mordkomplexes? Möglich. Allerdings reimt sich nicht alles in der Geschichte. Talat T. wurde nun ein weiteres Mal ausführlich befragt. In der türkischen Tageszeitung Hürriyet vom August 2013 wird der pensionierte Offizier folgendermaßen zitiert: Er sei in Berlin in der Wohnung seines Bruders von „Sonderpolizisten“, einer Spezialeinheit, die auch den Tatort besuchte, mehrere Stunden vernommen worden. Aber: Die Akten seien anschließend vernichtet worden. In den Ermittlungsunterlagen finden sich ganze eineinhalb Seiten einer Vernehmung mit ihm, erstellt vom Landeskriminalamt Berlin einen Tag nach dem Attentat. Spektakuläres kann man darin nicht lesen. „Spezialeinheit“? „Vernichtete Akten“? Gab es vielleicht mehrere Vernehmungen? Rechtsanwalt Adnan Erdal kann sich das alles nicht erklären:

„Er wurde in Köln vernommen, das war ganz kurz. Und danach soll er in Berlin vernommen worden sein, und darum geht es. Und da sollen vier Beamte ihn vernommen haben. Diese Vernehmung kenn ich aber nicht.“

Der NSU-Komplex – ein wachsendes Rätsel, auch am Tatort Köln Keupstraße. Da ist das Phantombild eines der Täter, das aber weder Uwe Böhnhardt noch Uwe Mundlos ähnlich sieht. – Das sind zwei Polizeibeamte, die Minuten nach der Tat vor Ort sind und neun Jahre lang nicht nach ihren Wahrnehmungen befragt werden, sondern erst, als der Untersuchungsausschuss in Berlin sich für sie interessiert. – Da sind zwei bewaffnete Männer, allem Anschein nach Beamte, die ein Anwohner unmittelbar nach der Explosion auf der Straße sieht und die bis heute nicht ausfindig gemacht wurden – und nun ein türkischer Offizier.

Muzaffer und Talat T. waren jetzt in München als Zeugen geladen. Muzaffer T. sollte am 21. Januar gehört werden. Er reiste auch nach München an, bekam aber dort Kreislaufprobleme und konnte nicht auf dem Zeugenstuhl Platz nehmen. Nach Auskunft seines Anwaltes ist er in ärztlicher Behandlung und zur Zeit nicht vernehmungsfähig. Talat T. sagte, wie geplant, am 22. Januar vor dem OLG aus. Er habe damals sofort erkannt, daß es sich um eine Bombe handelte. Insgesamt sei er dreimal vernommen worden, zweimal in Köln, einmal in Berlin von zwei LKA-Beamten. Die fragliche Vernehmung durch vier „Sonderpolizisten“, deren Protokoll hinterher vernichtet worden sein soll, kam jetzt vor dem OLG aber nicht zur Sprache. Ebenso wenig, wie das mehrtägige Ausreiseverbot für den Oberstleutnant. Wer oder was diese „Sonderpolizisten“ gewesen sein könnten, bleibt im Unklaren. Richter Manfred Götzl kennt den Sachverhalt nicht, weil er nicht in den Akten steht. Er konnte somit nicht danach fragen. Aber auch Rechtsanwalt Erdal stellte keine Fragen in diese Richtung. Offensichtlich war ihm nicht daran gelegen, an diesen Ungereimtheiten zu rühren. Nach eigener Aussage hatte er seinen Mandanten vor dessen Zeugenauftritt so vorbereitet, wie es dem kurzen Protokoll des LKA Berlin entsprach. Mit Talat T. selber zu sprechen, war nicht möglich. Er verließ das Justizzentrum nicht durch den Haupteingang.

Die Mängel und Merkwürdigkeiten der damaligen Ermittlungen finden heute im Gerichtssaal ihre Fortsetzung. Denn mehrere Betroffene aus der Keupstraße stehen gar nicht auf der Zeugenliste. Jener Anwohner zum Beispiel, der zwei bewaffnete Männer auf der Straße sah. Oder der Besitzer einer kleinen Druckerei direkt neben der Explosionsstelle. Er berichtet, daß er damals im kölner Polizeipräsidium zwar befragt worden war, es davon aber kein Protokoll gibt.

„Warum diese Zeugen nicht vorgeladen worden sind, erschließt sich mir nicht.“

Sagt Rechtsanwalt Yavuz Narin, der die Familie eines NSU-Opfers vertritt und selber in Köln Nachforschungen angestellt hat. Der Prozeß in München – ein Abbild der mangelhaften Ermittlungen?

„Die Ermittlungen waren in der Tat äußerst mangelhaft. Und insoweit muss ich Ihnen Recht geben, daß sich Vieles hiervon auch im Prozess widerspiegeln dürfte. Allerdings werden wir versuchen, als Vertreter der Nebenklage eben diese Versäumnisse im Prozess wieder gutzumachen.“

Auch Adnan Erdal kritisiert die Ermittlungen nach dem Anschlag grundsätzlich. Ein fremdenfeindliches, rechtsradikales Motiv schlossen Politik und Polizei damals aus. Verantwortlich vor allem der damalige Bundesinnenminister Otto Schily, der sich dafür inzwischen entschuldigte. Der Opferanwalt aber erhebt Vorwürfe:

„Der damalige Innenminister war jahrelang als Strafverteidiger bekannt, also ein erfahrener Strafjurist. Er hätte wissen müssen, daß jeder Bombenanschlag ein Terroranschlag ist. Gleichwohl hat er nach drei, vier Stunden mitgeteilt, daß es keine Hinweise auf einen Terroranschlag gab. Dadurch wurden die Ermittlungen in die falsche Richtung geführt.“

Thomas Moser (Januar 2015)

Ausblick auf die kommende Woche, im NSU Strafverfahren 12.1 bis 14.1.2015

Am Montag den 12.1.2015 geht der NSU Prozess nach der Weihnachtspause wieder los.
Der erste Themenschwerpunkt desd Monats Januar wird die Keupstraße in Köln sein.

Gleich am Montag sind Zeugen den LKA NRW geladen,die sich mit der Spurensicherung bzw. mit Lichtbildauswertungen befasst haben.
Es dürfte interessant werden ob diese mit dem Keupstraßen Video zu tun hatten,denn erst 2014 wurde dieses erst in die Asservatenliste übernommen.Warum erst dann das wird eine interessante Frage sein, die die Beamten des LKA beantworten müssen.

Und am Mittwoch den 13.1.2015 und den 14.1.2015 ist der Ex V-Mann von Brandenburg Carsten Szczepanski geladen, der sich 1998 bis 1999 detailliert an alles erinnern konnte und zu berichten wusste. Nur jetzt vor Gericht, weiß er nichts mehr. Die Fragen der Nebenkläger werden den Schwerpunkt dieser Zeugeneinvernahme bilden. Ob man ihm wirklich die Reue abkaufen wird, die er bei seiner ersten Einvernahme schilderte,bleibt jedem selbst überlassen. Hinweis auf seine erste Aussage wp.me/p4bLZY-8Y

Es dürfte eine interessante Woche werden.

Nächste Woche kommt nun dann der richtig große Komplex Keupstraße mit allen Zeugen,Ärzten, Anwälten usw.

Das Jahr 2014 im NSU Verfahren

Wenn man als Zuschauer auf dieses Jahr zurückblickt, war es ein sehr interessantes Jahr gewesen.Viele Fragen sind noch offen, doch ob es Antworten gibt bleibt abzuwarten.

Doch eine Frage die man jetzt für sich selber beantworten kann, ist das Märchen des NSU Trios.
Es hat nie ein Trio wie die Bundesanwaltschaft es in ihrer Anklageschrift formuliert hat, gegeben.
Man muss davon ausgehen das es entweder mehr Unterstützer gab,oder was viel schlimmer ist, das es noch einige Täter mehr gibt außer „Böhnhardt und Mundlos“. Diese müssten wie es den Anschein macht in Freiheit sein. Eine Betrachtungsweise die immer mehr logisch erscheint. Zeugen wie Thomas Starke Jan Werner die große Unterstützer gewesen sind brauchen keine Angst haben, ob ihnen bei Gericht etwas passieren könnte .Werner und Starke brauchen nichts zu sagen, weil gegen sie noch ein Ermittlungsverfahren läuft. Dies strengte die Bundesanwaltschaft an.Ob man dies noch weiter verfolgen wird,oder wie bei dem sehr engen Vertrauten den mutmaßlichen Trios Andre Kapke geschlossen wird bleibt fraglich. Es kann nicht sein, das zwei mutmaßliche wichtige Unterstützer der Szene in Chemnitz nichts sagen müssen, und die Wahrheitsfindung bleibt auf der Strecke. Diese Zeugen kommen in den Gerichtssaal erklären das sie nichts sagen wollen und dürfen, dann gehen sie einfach wieder. Da fragen sich die Zuschauer,warum hat dies die Bundesanwaltschaft so gemacht. Will man diese schützen, oder welche Gründe gibt es dann….
Oder es passiert das, Thomas Gerlach, ein mutmaßlicher Hammerskin, sich zu den Fragen über Hammerskins nichts sagen kann, denn er könne dies nicht mit seinem Gewissen vereinbaren. Danach wird nachgedacht was man mit so einem Zeugen macht. Vieles schreit nach einer Geldstrafe oder einer Beugehaft. Aber nichts passiert in der Art. Er bekommt Aufschub um vielleicht nachzudenken bekommt einen Rechtsbeistand beigeordnet.Beim nächsten Mal kommt raus, falls er etwas über diese Hammerskin sagt, könnte etwas neu aufgerollt werden, wo ein Verfahren gegen ihn anhängig werden würde. Also wieder bringt dieser Zeuge nicht viel an Erkenntnisgewinn.

Eine interessante Story erzählte der Ex V- Mann Carsten Szczepanski V- Mann wurde. Aus Reue habe er dem Verfassungsschutz einen Brief aus dem Gefängnis geschrieben hatte. Dieser Verfassungsschutz gab ihn dann mit Handys und fuhr ihn mit Fahrdiensten zu Konzerten bzw. zu Veranstaltungen.Weiter aus Reue hat er dann die Nazi Szene in Brandenburg und dann in Sachsen / Chemnitz ausspioniert wie er ausgesagt hat. Er ist auch gerade in Chemnitz als die „drei“ Mundlos Zschäpe und Böhnhardt auch dort sind. Das interessante ist das dieser Carsten Szczepanski kann sich vor Gericht an gar nichts mehr erinnern, oder die gängige Antwort war, wenn ich damals das so angegeben habe wird das wohl so stimmen.Oder das ist zu lange her, das kann ich ihnen nicht mehr sagen. Es ist schon interessant das der Tenor der Zeugenantworten immer der gleiche ist, und wenn man ganz genau sieht, haben alle ein und den gleichen Lehrer gehabt der ihnen beigebracht hat, wie sage ich vor Gericht aus. Ich habe ja keine Konsequenzen zu fürchten, ich darf ja lügen.

Ein weiterer wunder Punkt der immer mehr zu heftigen Debatten im Prozess führt ist die Organisation Blood & Honour. Wie weit darf gefragt werden, und welchen Sinn haben diese Fragen.
In den letzten Verhandlungstagen vor den Weihnachtsferien, war dies der Streitpunkt zwischen den Nebenklägeranwälte und den Verteidigern der Angeklagten.
Man kann die Schuld bei der Bundesanwaltschaft suchen, die sich in der Anklageschrift nicht explizit nach Blood & Honour nach gegangen ist. Oder wollte man nicht?? Vielleicht ein möglicher Grund wäre dies, das dieses Verfahren dann in einer Dimension angelangt wäre, wo man jetzt schon kaum den Überblick gehabt hätte, und mit diesen Sachverhalt, dann gänzlich verloren hätte.
Die Bundesanwaltschaft hat in der Anklageschrift auf Seite 124 den einzigen Satz zu Blood & Honour aufgeschrieben. Darin heißt es „ Der NSU war stets eine singuläre Vereinigung, vergleichbar mit Blood & Honour “. Mehr wurde laut Anklageschrift nicht zu Blood & Honour gefunden. Obwohl man Zeugen wie Thomas Starke, Jan Werner der Sektions Chef von Sachsen war und verhört wurden im Zuge des Verfahren. Das die Verteidiger der Angeklagten darauf pochen in erster Linie der Anklageschrift nicht verlassen werden dürfe kann man verstehen. Doch auch die Auffassung der Nebenklägerverteidiger kann man umso mehr verstehen, das nach Blood & Honour um nachgefragt werden muss, weil Zeugen bzw. „Unterstützer“ wie Thomas Starke damals das „Abtauchen“ erst möglich gemacht haben.
Interessante Zeugen gab, Tino Brandt ex V- Mann und Chef von der Vereinigung Thüringer Heimatschutz. Als dieser Gericht war,wollte Beate Zschäpe sich nicht mehr von ihren Verteidigern verteidigen lassen. Das war die Bombe die für die Presse. Es wurde gerätselt und spekuliert warum und weshalb. Es wurde sogar nachgedacht ob der Prozess platzen könnte. Meine Meinung nach ist vielleicht der Grund, das alle Nazis die jetzt so tun als sind sie brave Mitbürger die bisher bei Gericht ausgesagt haben, so ungeschoren wieder gehen können.Bei Tino Brandt merkte man das ganz deutlich, wie Frau Zschäpe sehr angespannt war.

Der Kurioseste Auftritt hatte der schon beschriebene V Mann Carsten Szczepanski der sich so verkleiden musste Bauch falsche Haare usw., und mit Sicherheitspersonal in den Gerichtssaal geführt wurde. Denn dieser ist immer noch im Zeugenschutz, und man hat Angst vor evtl. Racheakten der rechten Szene.

Was auffällig ist, das viele die Spitzen V- Männer zur jener Zeit gewusst haben, wo sich die „drei“ aufgehalten haben. Sie konnten dies ihrer Behörde fast lückenlos dies berichten.
Am interessantesten war der V-Mann Führer von Tino Brandt, Herr Wiesner, der einige Male recht konkrete Angaben bekommen hatte wo die „drei“ gewesen sind. Nur zur Auswertung und zur Papier bringen dieser Informationen,dauerte hingegen Wochen. Warum Herr Wiesner das so spät zu Papier brachte, konnte er auch nicht in München aufklären. Für ihn war dies immer zeitnah geschehen.

Sehr bewegend war auch, wie das Opfer des ersten Bombenanschlagsziel in Köln, Frau M. im Gericht ausgesagt hatte. Man kann auch bei diesen Anschlag davon ausgehen, das weder Mundlos noch Böhnhardt diesen Sprengsatz in diesem Geschäft deponiert haben. Demzufolge muss es einen Helfer gegeben haben. Darum vom „Trio“ zu sprechen…….

Ich bin gespannt ob da noch etwas zur Tat in Heilbronn kommen wird,oder ob da schon alles abgeschlossen ist. Denn auch dort, kann man nicht zweifelsfrei von einer Täterschaft von Mundlos und Böhnhardt sprechen. Deshalb ist es gerade so wichtig das es in Baden Württemberg jetzt einen Untersuchungsausschuss gibt.Wie dort gemauert, vertuscht wurde, ist schon schlimm genug und stellt vieles in Frage,und vor allem fragt man sich WARUM???

Zudem oben benannten Untersuchungsausschuss gibt es nächstes Jahr welche in Thüringen in Hessen und Nordrhein Westfalen.Diese Ausschüsse können dem Nsu Verfahren neue Aufschlüsse, bzw. neue Ansätze liefern.Ob es dann auch einfließen kann oder wird, wird fraglich sein. Denn wie sich die Bundesanwaltschaft besonders Dr. Diemer, dieser mit seinen Kommentaren oft über die Maßen hinaus schlägt. Da kann man sich vorstellen,das man auch bei dem Plädoyer hört „Man hat keine Beweise auch durch die Zeugenaussagen gestützt das es nie mehr als die drei Mundlos Zschäpe und Böhnhardt gegeben hat die dem NSU angehörig waren…..
Deshalb wird es auch 2015 sehr interessant bleiben….

Prozesstag 118 im NSU Verfahren,spricht das Opfer Mashia Malayeri Probsteigasse.

Eine Nacherzählung zu dem ersten mutmaßlichen Bombenanschlag der NSU am 19.01.2001.
Nach einer kurzen Unterbrechung kommt das Opfer Frau Malayeri 32 Jahre alt Ärztin von Beruf im
Zeugenstand platz. Neben ihr sitzt zur linken ihre Verteidigerin Frau Lunnebach.
Der Vorsitzende Richter Manfred Götzl belehrt die Zeugin, und am Schluss erwidert die Zeugin das
sie mit den Angeklagten weder verwandt noch verschwägert sei.

Götzl : Welche Erinnerungen haben sie an dem besagten Tag dem 19.1.2001.

Malayeri : Ich weiß das meine Eltern einen Weihnachtskorb mit einer Geschenkdose hatten, diese
wurde in der Weihnachtszeit bei meinen Eltern abgegeben.
Im Januar war dieser Weihnachtskorb immer noch da, und ich war sehr neugierig, deshalb habe ich
die Dose leicht aufgemacht. Da habe ich eine blaue Campinggasflasche gesehen,nicht aber dabei
gedacht, nur das ist aber ein komisches Geschenk. Habe ja keine Zündvorrichtung gesehen. Bin
dann um den Tisch gelaufen, hatte was auf dem Boden gesucht dann gab es eine Explosion sah ein
helles Licht und hörte einen Knall.
Danach lag ich auf dem Boden, hatte Schmerzen konnte nichts sehen ( Augen waren verklebt )
konnte nicht Atmen, schreien oder reden.
Dann kam meine Mutter und mein Vater. Diese haben mich herausgetragen, bis vor die Türe auf den
Gehweg., wurde dort dann hingelegt.
Rettungswagen und Feuerwehr waren zügig vor Ort,relativ zügig sendiert und bis zum Aufwachen
aus dem Koma keine Erinnerungen mehr.

Götzl : Was wurden Ihnen erzählt zu dieser Dose?

Malayeri : Zu dieser Dose wurde mir erzählt, das es Mann hier eingekauft habe, wollte diese Dose
verschenken. Diese Dose haben viele gesehen. Ich war nicht die einzige die kurz davor waren die
Dose zu öffnen. Meine Eltern sagten „das sei nicht unser Eigentum“. Ich war selber zufällig am
19.1. da, mich hat es eben interessiert was da drin und dann war ś ne Bombe.
Weiter erzählt die Zeugin, es war ein großer Stahlschreibtisch, in der hinteren Ecke stand der
Korb,zu meinem Glück hatte ich die Dose nur ganz leicht geöffnet. Ging dann aus dem vorderen
Bereich weg.Hatte mich auf dem Sofa gesetzt und im Schreibtisch sprich Schublade einen Spiegel
gesucht. Ich wollte mich für die Schule fertig machen.
Nach ca. 5-10 Sek. Lagen zwischen dem öffnen der Dose und der Explosion.
An dem Tag sind wir (Schwester und Bruder)mit unseren Eltern in den Laden gefahre. Ich hatte
mein Auto an meinem Bruder verliehen.

Götzl : Bitte schildern sie uns wo sich alle aufhielten ?

Malayeri : Es war noch früh morgens, ca. vor 7 Uhr musste mithelfen und um 8 Uhr in der Schule
sein.Keine Kunden, erst später hielten sich immer 20 Personen im Laden auf. Da wäre der Schaden
viel größer gewesen.

Götzl : Welche Verletzungen Psychische Schäden etc , wir müssen ja darüber sprechen. Sie sind ja
selbst Ärztin.

Malayeri : Ich würde ich aus gerne ausholen wenn ich darf? Hauptsächlich waren meine Augen zu
geschmolzen, diese habe diese nicht mehr aufgekriegt. Meine Haare waren natürlich verbrannt dann
war ich eineinhalb Monate im künstlichen Koma.
Dann habe ich eine Lungenentzündung durch die Intubation bekommen. Dann erfolgte eine
schrittweises Aufwecken . Dadurch habe ich Fragmente mitbekommen das meine Eltern da waren
diese haben mir von Freunden Briefe vorgelesen da ich ja kurz vor dem Abitur stand.Ich wusste das
es schlimm war, aber hatte keine Ahnung wie lange das noch dauert. Als ich das erste Mal auf der
Toilette war, hab ich mich im Spiegel gesehen, Stand unter Schock Hatte Schnitte im Gesicht Arme
war verbrannt keine Haare mehr und beide Trommelfelle waren zerfetzt. Wie 4 Ops waren nötig.
Augenhöhle war gebrochen. Durch das Schwarzpulver, hatte ich wie eine Tätowierung im Gesicht
das wurde dann durch viel Lasern und eben der Rest Schminke zum großen Teil weggemacht. Aber
ist noch Sichtbar. Narben werden immer bleiben trotz Korrekturen.

Götzl : Wie ging es dann weiter in ihrem Leben? Folgeschäden Beruflich usw.

Malayeri : Wurde Mitte März entlassen das war gegen den ärztlichen Rat dann auf eigene
Verantwortung. Die Wirkung der Schmerzmittel wurden sichtbar.
Hatte Entzugserscheinungen von den Schmerzmittel. Ich konnte nicht alleine essen, gehen und mich
waschen. Hatte dann Physiotherapie . Brauchte sehr lange um 50 bis 100 Meter zu gehen.War sehr
lange zu Hause, isoliert aber zum Glück hatte ich Freunde diese kamen zu mir. Hatte meine Eltern.
Brauchte lange um mich so in der Öffentlichkeit zu Zeigen.
Ich hatte sehr nette Lehrer die mir mein Abitur im November anboten dieses nachzuholen. Da durch
war ich gezwungen damit abzuschließen und mich zu konzentrieren.
Nach November wieder Krankenhausaufenthalte zwecks Ops am Ohr Narbenkorrekturen. Dann
bekam ich Laserbehandlungen das über Jahre, alles im Abstand von 1 bis 2 Wochen.
In die Öffentlichkeit zu gehen war für mich das schwierigste, bin dann für das Studium weggezogen
und habe Köln erstmal verlassen für ein paar Jahre. Um einfach Abstand zu gewinnen..

Götzl : Was wird bleiben an Schäden etc.

Malayeri : Sichtbare Narben im Gesicht, multiple Holzsplitter sind in meinen Kiefer eingedrungen
die wurden zum Teil entfernt wegen den Schmerzen. Das Hörvermögen das rechte ist reduziert und
das linke Ohr auch. Da ja die Druckwelle von Rechts kam.
Das schlimmste ist für mich sind die offensichtlichen Verletzunge, werde täglich darauf
angesprochen. Ich weiß dann nicht was ich dazu antworten soll. Das ist das Schwierigste für mich.
Eine Psychische Behandlung hatte ich gar keine, ich hatte das Glück einen starken Familie Rückhalt
zu haben, meine Freunde waren unterstützend da auch Lehrer.

Götzl : Wie war der Verlauf der Ermittlungen für sie?

Malayeri : Das waren in zwei Abschnitte zu sehen, das Damals und das Jetzt.
Damals alles nicht so mitbekommen, war ja relativ spät in der Lage vernommen zu werden. Später
habe ich alles durch meine Eltern mitbekommen.
Für uns war es klar, das es keine politischen Bezüge zu den politischen Iran Leuten gibt oder
Geheimdienste kamen auch nicht in Frage. Wir dachten an einen verrückten Einzeltäter. Da ich
keinen persönlichen Bezug hatte,konnte ich da ganz gut damit abschließen. Wir waren da sicher
naiv weil wir keine Anwälte hatten.
Als dann das Video kam war das ein Schock. Damit habe ich gar nicht gerechnet,dann kamen am
nächsten Morgen die Kripo keine Aussagen machen über die Fakten. Nur Warnung wegen dem
Presseansturm.
Erst einen Monat später gab es eine Vernehmung.Damals gab es das Statement das es keine
Verbindungen gab. Ich kann das nicht nachvollziehen nach all den Ermittlungsfehlern worauf
basiert diese Annahme bitte?
Wir bekamen erst spät Akteneinsicht, viele Informationen musste ich in der Presse suchen. Fragen
wie gibt es noch zusätzliche Helfer laufen diese noch frei herum, keiner der Anwesenden hier wird
mir garantieren können das es keine anderen Leute gibt, die morgen nicht vor der Türe stehen
könnten.
Gestern war mein Garagentor geöffnet, da dachte ich „ wer war das ? „
Hab mich gebückt und unter dem Auto nach einer Bombe gesucht. Hab doch nicht ganz
abgeschlossen damit.

Götzl : Was war der finanzielle Schaden?

Malayeri : Das Problem ist ja nicht der akute Schaden durch die Zerstörung der Einrichtung sonder
die dadurch fehlende Einnahmen. Meine Vater musste 4 Kinder durchbringen. Er baute alles wieder
auf, da aber meinte Mutter keinen Schritt mehr in den Laden setzten konnte, musste er den laden
dann aufgeben.
Meine Geschwister wurden oft befragt. Die schlimmsten Erkenntnisse daraus ist, es gibt Menschen
die dich wegen deiner Herkunft angreifen, attackieren wollen. Grade für uns, wir sind im jüngsten
Kindesalter hierher gekommen, haben einen Deutschen Freundeskreis sind perfekt sozialisiert. Das
ist ..Pause…sehr traurig.
Das ist Traurig für mich, für meine Familie. Schade! Pause.

Götzl : Können sie den Täter beschreiben?

Malayeri : Ich kann dazu nichts sagen, nur was mein Vater gesagt hat. Der Mann war ca. 30 Jahre
alt ca. 180cm groß, gepflegt weißes Hemd Jeans blond, leicht dieses gewellt und unauffällig
knochiges Gesicht.

Götzl : Wer war im Laden

Malayeri : Mein Vater, meine Schwester Angehörige und der Nachbar. Der Mann war nochmal da
hat gewartet bis mein Vater weg war ging hinter um zu checken warum die Dose noch nicht
explodiert sei. Das hat auch eine Frau beobachtet.

Götzl : Warum der Gedanke das es ein Geschenk ist

Malayeri : Wegen dem Motiv der Dose, Vorweihnachtszeit, dachte an eine Alkoholflaschen alles
war in diesem Präsentkorb.

Götzl : Ein Vorhalt aus… Kann mich an ein Geschenkband erinnern.

Malayeri : Keine Erinnerung daran, stelle mir das sehr kompliziert vor. Hat wie eine
Campinggasflasche zum kochen ausgesehen und eine Zündvorrichtung habe ich keine gesehen.
Dachte noch komisches Geschenk. War auch naiv.
Ich hätte genug Zeit gehabt um raus zulaufen, aber gut ändern kann ich es jetzt auch nicht.

Götzl: Haben sie einen Tinnitus?

Malayeri : Inzwischen leises Rauschen kein piepsender Ton war am Anfang mehr, nur leises
Rauschen.Da ist was konstant da ist.
Multiple Schnittwunden im ganzen Gesicht 2-4 cm, dann Rekonstruktion der Trommelfelle dafür
waren mehrere Opś nötig zwischen 2002 und 2003.

Götzl : Ab wann haben sie das Medizinstudium begonnen.

Malayeri : Ich glaub so 2003 und 2004 bin damals nach Bayern gezogen. Vorher hatte ich in Aachen
ein Physik und Chemie Studium begonnen, ich hätte mein Lebenslauf lernen sollen…
Dann gibt der Vorsitzende das Wort an die Nebenklägervertreter.

Foto von Tobias Hase

Ra Bild

Daimagüler : Haben sie jemals erwogen Deutschland zu verlassen.
Malayeri : Ja. Als das Video veröffentlicht wurde ist der erste Gedanke was soll ich denn noch
hier.Ich habe mir so viel Mühe gegeben. Bin ein Muster an Integration. Man muss natürlich sagen
das ist die Absicht dieser Leute. Und ich dachte jetzt erst Recht. So schnell lasse ich mich nicht aus
Deutschland rausjagen.
Vereinzelt Applaus von der Zuschauerempore.

Ra Erdal : Hat mal ihre Mutter was von Frau Zschäpe erzählt?

Malayeri : Ja nach dem Video. Meine Mutter konnte sich erinnern. Damals kam eine Frau in den
Laden die vehement darauf bestand unsere Toilette zu benützen bzw. die Möglichkeit in die hinteren
Räume zu kommen.Meine Mutter hatte abgelehnt Die Frau sagte dann immer zu bitte bitte..
Vor dem Korb Abgeben gab es mehrere Anrufe bei den Vermietern war eine Frauenstimme das
diese den Laden bitte nicht weiter an Ausländer vermieten soll, hier ist eine anständige Gegend.

Ein Sachverständiger will über die Verletzungsdetails

Malayeri : 6-7 Wochen Liegephase da baut die Muskulatur so extrem ab das man kaum noch gehen
konnte,Sprachproblem hatte ich den Speichel zu halten, schwere Entzugserscheinungen nach den
Schmerzmittel. Kämpfe.

Dann will der Rechtsanwalt Wolfgang Stahl nachfragen wegen der getätigten Frage von
Rechtsanwalt Erdal.
Wann ist die Person die auf Toilette wollte diese Diskussion aufgekommen.

Malayeri : Als das Video da war. Da war vom Trio die Rede und wir haben uns gefragt waren wir
blind. Hätten wir den Hinweisen ernster nehmen müssen, meine Mutter macht sich Vorwürfe hätte
die Frau nicht reinlassen sollen, sie hätten den Korb nicht aufheben sollen.

Ra. Stahl : Hat ihnen ihre Mutter erzählt, wer diese Person gesehen hat?

Malayeri : Nur sie.

Ra. Stahl: Und wann..

Malayeri : Einige Wochen davor.

Ra Stahl : Was hat ihre Mutter genau dazu gesagt

Malayeri :Ich war bei der Vernehmung meiner Mutter nicht dabei , da müssen sie schon selber
fragen. Ich habe nur gesagt das es gewisse Ähnlichkeiten aber keine komplette Identifikation. Es
waren 14 Jahre dazwischen.

Ra Stahl : Auf dem Video war Frau Zschäpe nicht zu sehen.

Malayeri : Nee, aber gleich danach, wäre ja auch sehr riskant sich selber auf dem Video zu zeigen.
Natürlich muss meine Mutter diese Bilder gesehen haben, Ähnlichkeite kann man ja nur mit
Vorlagen bemerken.

Dann gab es keine weiteren Fragen mehr.

Nur Rechtsanwältin Lunnebach will sofort eine kurze Erklärung abgeben.
Ra. Lunnebach : Ich fände es gut wenn es in Deutschland mehr Leute leben würden wie Frau
Malayeri.
Großer Applaus von der Empore.

Dies rügt dann der Vorsitzende nach der Mittagspause.
Nach der Mittagspause kommen ein paar Ärzte, der wichtigste ist der Behandelnde Arzt im
Krankenhaus der zu gleich der Leiter dieser Klinik ist.
Der sagte, das die Krankenakte von Frau Malayeri nicht mehr gibt. Sonderbar, denn es müssen
diese Akten 30 Jahre aufbewahrt werden. Keiner der Beteiligten im Sitzungssaal stellt die Frage
WARUM??